Lied der Welt

Der Folklorechor Stuttgart mit seinen etwa 50 Sängern und Sängerinnen unter Leitung von Gerd Onnen hat sich bei seiner Gründung im Jahre 1959 das Ziel gesetzt, echte Folklore aus aller Welt in den jeweiligen Originalsprachen einer weiten Öffentlichkeit bekannt zumachen und so altes Volksgut in unserer technisier” ten Zeit vor dem Untergang zu bewahren. Bei dem exklusiven Internationalen Festival von Montreux erhielt der Chor 1967 das Prädikat „sehr gut”. Daraufhin wurde die vorliegende Schallplatte aufgenommen. Das Festival in Montreux ist im europäischen Raum eines der bedeutendsten Chortreffen, zu dem Chöre, die von einem internationalen Komitee ausgewählt werden, aus allen Ländern Europas Einladungen erhalten. 15 Chöre aus Ungarn, England, Schottland, Frankreich, Italien, der Schweiz und aus Deutschland waren 1967 in Montreux zum Wettbewerb versammelt – „tres bien” lautete das Urteil der Jury für den Folklorechor Stuttgart, und das Publikum zeigte seine Begeisterung dadurch, daß es dem Chor den größten Teil seiner Stimmen gab. Nun erhält der Folklorechor Einladungen zu Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen. Konzerten und Tourneen in solcher Anzahl, wie ein Laienchor sie gar nicht wahrnehmen kann.

Die Chorsätze der Aufnahmen dieser Schallplatte sind von Gerd Onnen, die Instrumentalsätze schrieben Arthur Faiss, Wilhelm F. Schmid und Ralph Bexter. Kurze Angaben sollen den Inhalt der fremdsprachigen Texte erklären.

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1. Spanisch
Bolero  (Bolero)
Ein Mädchen singt von einem blinden Knaben. Durch ihr Erbarmen wird er sehend, sie aber geblendet. (1:54)

2. Französisch
Sur Ie pont d’Avignon (Auf der Brücke von Avignon)
Alles tanzt dort in der Runde. Die schönen Frauen machen es so, die Soldaten . .. die Musiker… (1:16)

3. Schottisch
Wi’a hundred pipers (Mit hundert Pfeifern)
Ein altes Lied aus dem schottischen Hochland, das die Zurückgebliebenen ihren in den Kampf ziehenden Männern ‘zum Geleit singen. Doch es ist kein Kampflied, sondern ein fast lyrischer Gesang, in dem die bange Frage gestellt wird, ob die für König Karl streitenden Manner auch wieder zurückkehren. (1:33)

4. Nordenglisch
O we’el may the keel row (Ruderlied)
Hier zeigt sich der Einfluß des benachbarten Schottland außer im Dialekt in dem Vorkommen des sogenannten „scotch snap“, jener rhythmischen Verschiebung zweier Töne, die in der schottischen Volksmusik eine so große Rolle spielt. In diesem Ruderlied wird von Johnny als einem tollen Burschen erzählt. Keiner mehr ist so wie er. (2:00)

5. Norwegisch
Päl og slne honor (Päl und seine Hühner)
Eine sehr verbreitete Tanz- und Scherzweise. Weil ein Fuchs eines seiner Hühner gefressen hat, getraut sich Pal nicht mehr zu seiner Mutter heimzukommen. Um den Verlust auszugleichen, mahlt er tüchtig Mehl. So kann er wieder heimkehren. (1 :45)

6. Finnisch
Neito kaunoinen (Die iunge Schöne)
Als Nachbarkinder haben sie miteinander gespielt und waren unzertrennliche Freunde. Das Leben entfremdete die beiden, doch er erinnert sich ewig an sie und spricht sie in Gedanken als seine Geliebte an. (1:52)

7. Russisch
Bepe‘soubka (Die kleine Birke)
Hier ist eine einsam stehende kleine Birke die Kulisse, vor der sich eine Szene zwischen einem Burschen und seinem Mädchen abspielt. (3:00)

8. Indisch
An Dein Gewand klammere ich mich
In diesem geistlichen Gesang wird der Gott Rama angerufen. Das Lied ist in phrygischer Tonart geschrieben, daher die eigenartige Wirkung durch den Halbtonschritt von der ersten zur zweiten Tonleiterstufe. (1:40)

9. Slawonisch
Kolo (Kolo)
Dieser rasche slawonische Volkstanz wird auch heute noch viel getanzt und gesungen. Der Schluß des Kehrreims lautet: „Der Schnurrbart des Dudelsackpfeifers lächelt, denn das Mädchen zwinkert ihm zu. Auf, Brüder, tanzt den Kolo!“ (1:37)

10. Polnisch
Jasienku mói (Mein Liebster)
Hier wird von einem Mädchen erzählt, dessen Kleider von einer brennenden Fichte Feuer fingen. Als Retter erscheint ein alter Mann, der das Mädchen gern besitzen möchte. Doch trotz dieser Errettung gibt das Mädchen seinen Kranz nur dem jungen Burschen, den es liebt. (1:43)

11. Tschechisch
Andulka (Andulka)
Sie bittet ihren Liebhaber, nicht an das Fenster zu klopfen solange der Vater wach ist. Durch die dünnen Wände würde man es bis in die Stube hören. Erst wenn alles schläft‚ soll er anklopfen; Andulka wird ihm dann öffnen. (1:15)

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12. Schwäbisch
Liedfolge: Dreh dich, Rädchen — Durchs Wiesetal — Rosestock, Holderblüh
Das schwäbische Volkslied hat im deutschen Folklore-Bereich eine Stellung eigener Art. In keiner anderen deutschen Landschaft wird der Inhalt im Verlauf der Strophen so oft traurig. Aber die Fröhlichkeit bleibt, Wiesen, Wasser, Blumen und Liebe prägen den Melodienreichtum. (3:20)

13. Sorbisch
Mjej ty dobru nóc (Gute Nacht, mein Liebchen)
Die sorbische oder wendische Sprache ist der letzte Rest der im Gebiet der Ober- und Niederlausitz gesprochenen westslawischen Sprachen.
„Gute Nacht, mein Liebchen, der Schlaf möge dich erquicken. Bald bin ich wieder bei dir.“ (2:34)

14. Schweizerisch
Ou‘ vas-tu donc Colin? (Wohin gehst du, Colln?)
Der Text dieses Liedes aus der französischen Schweiz ist Frage und Antwort: Wohin gehst du? Ich gehe zur Mühle. – Was machst du mit dem Korn? Ich mache Brot daraus. — Und wer wird dein gutes Brot essen? Ich selber. (1:15)

15. Griechisch
Jerakina
Dieses Lied hat den Rhythmus des in Griechenland besonders beliebten Tanzes „Sytrôs“. Der Text, der aus Nigrita in Nordgriechenland stammt, knüpft an eine dort wirklich stattgefundene symbolische Hochzeit eines jungen Mannes mit einem im Brunnen tödlich verunglückten Mädchen an. (1:59)

16. Bosnisch
U Stambulu na Bosporu (In Istanbul am Bosporus)
In diesem Lied wird von einem sterbenden Pascha berichtet, der seine Frauen seinen treuen Dienern vermacht. Bei diesen Gedanken tropft ihm eine Träne aus dem Auge, und er fällt tot um. Als die Paschinitza, seine Lieblingsfrau, diese traurige Botschaft vernimmt, tropft auch ihr eine Träne auf die Erde, und sie stirbt ebenfalls, während der Muezzin vom Minarett ruft: „Allah, iI Allah, selam aleikum!“ (1:45)

17. Italienisch
Crudele Irene (Grausame Irene)
Das Lied stammt aus den Abruzzen, der Gebirgslandschaft Mittelitaliens. Es handelt von einem Mädchen. das den Freund verlassen hat. In seinem Liebesschmerz geht er zu anderen Mädchen, um seine grausame Freundin zu vergessen, und, falls sie reumütig zu ihm zurückkehren will, auszulachen. Die Melodie dieses Liedes besteht aus nur vier Tönen. (1:30)

18. Portugiesisch
Quatro coisas (Vier Dinge)
Das ist ein altes und damals sehr verbreitetes Volkslied, dessen ersten Melodieteil Mozart später zu der Arie „Reich mir die Hand, mein Leben“ verwendete.
Vier Dinge sind ausschlaggebend, um Frauen erfolgreich zu umwerben: Feuriges Auge, behender Fuß, entsprechende Erwiderung sowie die Kunst, schöne Reden zu führen. (1:40)

19. Mexikanisch
Tecolotito morado (Purpurfarbener Vogel)
Das Lied beginnt mit den Worten: „Purpurfarbener Vogel, Ieih mir deine Flügel. damit ich zu meiner Liebsten fliegen kann.“ (2:30)

20. Nordamerikanisch
Jeanle wlth the Iight brown hair (Jeanle mit dem glänzenden braunen Haar)
Jeanie hieß die Frau des nordamerikanischen Volksliederautors Stephen Foster. Sie war der Anlaß zum Dichten und Komponieren dieses Liedes. (3:00)