Jubel für das Multi-Kulti-Manifest zugunsten der Stadtkirche

Jubel für das Multi-Kulti-Manifest zugunsten der Stadtkirche

Onnenchor aus Stuttgart überzeugte in der trotz Kunstnacht dreiviertelvollen Ktinkelin-Halle mit Liedern aus aller Welt in den Originalspraclien / Weltoffenheit vermittelt
Von unserem Mitarbeiter Michael Fliediger
Schorndorf. Es geht um die Stadtkirche. Doch ihr Wohl betrifft die ganze Welt, wie der Stuttgarter Onnenchor wiederholt zu vermitteln verstand. Jetzt beteiligten sich die Laiensänger mit Profi-Profil erneut an der Stadtkirchen-Sanierung – mit dem Program “Weltenbummler“ – einem Multi-Kulti-Manifest, das in der Kunkelinhalle für Jubel sorgte. Die Kirche im (Schorn-) Dorf lassen und die ganze Welt zu ihrer Sanierung heranziehen? Geht beides, wie uns der Kirchbauverein seit seiner Grundung 1995 beweist.

Ob die Vemietung des Kirchen-Bauzauns für Werbezwecke oder der Verkauf von Postkarten und Jahresbechem mit Motiven Schorndorfer Künstler – an Ideen mangelte es den Vereinsaktiven bislang nicht. Von überall her rekrutierten die Vorsitzenden Karl-Heinz Votteler und Horst Bantel zudem zum Benefiz bereite Musiker, darunter den germanisierten Russen Ivan Rebroff oder bereits zweimal den Stuttgarter Onnen-Chor. Und der peilt die Welt schon aus programmatischen Gründen an, etwa für seine “Missa mundialis“ (Messe der Welt), im vergangenen Jahr in der Stadtkirche zu hören, oder jetzt mit “Weltenbummler”, einem zweistündigen Programm mit Liedern aus aller Welt, für das presse08 klein

Chorleiter Manfred Onnen auswählte aus einem Repertoire von insgesamt 350 Titeln in 60 Originalsprachen. Um den faszinierenden Eindruck einer Vielfalt fremder Sprachen und Rythmen zu schaffen, eines lockeren und doch kenntnisreichen Umgangs mit fremden Kulturen. Und damit in der etwa dreiviertelvollen Künkelinhalle trotz parallel veranstalteter Kunstnacht, ein relativ großes Puplikum zu finden, da runter auch der OB mit Gattin. “Was singen die denn da uberhaupt’?” Überprüfen ließ es sich kaum, ob die Chorsänger in den 25 Titeln, die “An einem Abencl um die Welt” führten, tatsächlich immer den richtigen Ton trafen. Ob etwa die chinesischen Laute, in “I geng li”, was “Schönheit und Liebe” heißen soll, oder die Wiegenlied-Worte des indonesischen “Suliram“ tatsächlich auch von Asiaten verstanden würden aufgrund des musikalischen Gefühls immer wissen, um was es geht?
Und das ließ kaum Fragen offen, etwa in der US-Räuberballade “Jesse James”, wo uns die lockere Dixieland-Diktion des begleitenden elfköpfigen Orchesters (mit Gitarre, Akkordeon, Keyboard, Bläsem, Bass und Trommler) wissen ließ, dass die alten Folk-Autoren keine moralischen Urteile fallten und einen Volkshelden wie James einerseits als Verbrecher, andererseits als Heiligen verstanden. Oder in ,,Svanir“ aus Island, einem traurigen Schwanengesang, wo Tenor und Bariton vor herrlich dynami sierendem Chor der Schwermut Ausdruck verliehen, dass die Sehwane mal wieder, und diesmal vielleieht für immer gen Süden ziehen. Oder im Spiritual aus Tansania, das mit seinen Bongotrommeln und den jubelnden Sängern gar nicht kirchlich klang.
“Folklore-Chor“ steht auf einem alten Onnen-Tonträger. Besser würde Folk-Chor passen. Diese Sänger – und hier konnten alle einheimischen Chorvereinigungen von ihnen lernen – erzeugen den Eindruck von  Weltoffenheit, ohne innige, heimelige Ge-
fühle zu vernachlässigen. Das ,,Weltenbummler”-Programm schafft Vielfalt und damit auch Verständnis für das Andere. Onnens Arrangements sind Übersetzungen, nicht Verkitschungen exotischer Lebensgefühle. Alles klingt wohlgefällig, aber unter
Wahrung nationaler und kontinentaler Eigenheiten, was durchaus auch etwas so Exotisches wie Fünfton-Musik (im Lied aus China) einschlieBen kann. Und dann den Schorndorfern so leicht ins Ohr geht, als war’s von den Fischer-Chören.