Der Gründer

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Gerd Onnen wurde am 1. September 1920 in Stuttgart geboren. Als zweiter Sohn von Julie und Gerrit Onnen, einem Kunstmaler, den es aus dem ostfriesischen Leer in den Süden verschlagen hatte, wuchs er zwar behütet, aber nicht in Wohlstand auf.

chronik gruender1Nach der 8. Gymnasialklasse war er der reinen Lehre überdrüssig und begann mit Unterstützung seiner Eltern das Musikstudium in Stuttgart. Durch Semester in Berlin erweiterte er seinen Horizont studienmäßig und geographisch. Nach Abschluss seines Studiums in den Fächern Klavier, Komposition, Chor- und Orchesterleitung begann er seine Laufbahn als selbständiger Musikpädagoge, unterrichtete Klavier, Kontrabass und Akkordeon. Daneben wurde ihm die Leitung der sogenannten Rundfunk Spielschar übertragen, einer Einrichtung des in Stuttgart ansässigen Radiosenders. Junge Sängerinnen und Sänger, Musiker und Tänzer bildeten eine “Showtruppe”, die zu Beginn des Krieges neben Radioauftritten und öffentlichen Veranstaltungen natürlich auch zur Unterhaltung von Soldaten eingesetzt wurde. Es ist sicher keine Indiskretion zu sagen, dass es in dieser Rundfunk-Spielschar auch tatsächlich gefunkt hat, nämlich zwischen ihm und seiner späteren Frau.

Gerd Onnen musste zwar als Sanitäter, aber dennoch im unseligen Krieg dienen. Sein musikalisches Ich ließ ihn auch dabei nicht in Ruhe. Er machte Musik mit Leidensgenossen an der Front und später in Gefangenschaft. So konnte er wohl schwere Momente durchstehen und gleichzeitig anderen ein wenig Freude bereiten.

Während der Gefangenschaft hatte er ein Faible für die russischen Volkslieder entdeckt und vor Ort einiges Material sammeln können, hatte, fast wie zum Ausgleich dann, ein paar Wochen noch in amerikanischen “Händen” die Welt Stephen Fosters kennengelernt. Damit war in dieser tragischen Zeit der Grundstein für seinen Lebensinhalt gelegt worden.

Bei einem Heimaturlaub heiratete er seine Luise (Liesel) und fand bei der glücklichen Rückkehr nach dem Krieg Tochter Sylvia vor, der bald darauf Sohn Manfred folgte. Gerd Onnen übernahm die Leitung von Chören im Großraum Stuttgart, gründete mit Mitgliedern der Rundfunk-Spielschar seinen Stuttgarter Madrigalchor und setzte die pädagogische Arbeit fort.

chronik gruender2Als im Grunde zurückhaltender Mensch fand er lange Zeit keine an seinen Kompositionen und Bearbeitungen interessierten Verleger. Sich selbst anzupreisen oder vorzudrängen war nicht seine Sache. Er begnügte sich mit den “intimen” Erfolgen im Rahmen von Konzerten seiner Chöre und der stets begeisterten Resonanz des Publikums. Erst als nach solchen Konzerten auch andere Musiker und Chorleiter auf ihn zugekommen waren mit der Bitte, ihnen doch diese oder jene Bearbeitung oder Komposition für Aufführungen zur Verfügung zu stellen, glaubte er an seine Chance.

Die bot sich in Person der engagierten Verlegerin Hilde Löffler aus Plochingen. Binnen weniger Jahre hatte sie den Großteil seines Schaffens veröffentlicht und somit eine Verbreitung ermöglicht, die den Namen Gerd Onnen zu einem Markenzeichen in der Chormusik gemacht hat.

Mit seinem Folklorechor konnte er immer häufiger in Konzerten, Radio- und Fernsehauftritten, auf Konzertreisen ins europäische Ausland und durch Tonträger seine Musik leben lassen.

Auch heute noch, fast fünfundzwanzig Jahre nach seinem viel zu frühen Tod auf einer Urlaubsreise in Mexiko am 24. Mai 1977, fasziniert die Idee Gerd Onnens, ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln, gerade auch international, indem man über die Brücke der Musik geht.

(aus der Dokumentation “40 Jahre Onnen-Chor”, Originaltext von Manfred Onnen)