Chorgesang für “Bildung gegen Armut”

Stuttgarter Onnen-Chor präsentiert kontrastreiches Programm in der Schlosskapelle
GUNTHILD ARNOLD
Klrchheim. Zu einem außergewöhnlichen Konzert hatte der Kirchheimer Förderverein “Bildung gegen Armut in Kulumbien“ am Samstagabend in die Kapelle des Schlosses eingeladen, und ein großes Publikum war
dieser Einladung gefolgt – sicher, um eine wichtige humanitäre Hilfsaktion zu unterstützen, sicher aber auch, um den traditionsreichen Stuttgarter Onnen-Chor hören zu dürfen. Durch persönliche Verbindungen war es gelungen, das renommierte Ensemble für die Benefizveranstaltung zu engagieren.

Im Jahre 2005 gründete Dieter Stritzelberger den Förderverein zur Unterstützung von bedürftigen Kindern und Schulen in Kolumbien. Durch seine Ehefrau, Jennifer Pacheco, eine Kolumbianerin, war er mit der trostlosen Situation vieler kolumbianischer Kinder konfrontiert worden, deren Eltern die erforderlichen Schulgelder nicht aufbringen können. Das zarte Pflänzchen der Hilfsinitiative wuchs und gedieh, und mithilfe der Förderer kann derzeit für 21 Kinder vom Vorschulalter bis zur Abschlussklasse in Cartagena de Indias in Nordkolumbien der Schulbesuch finanziert werden. Dies eröffnet den jungen Menschen eine echte Lebensperspektive. Jeder gespendete Euro fließt direkt in die Förderung vor Ort, da Dieter Stritzelberger für alle indirekt anfallenden Kosten, sei es für Verwaltung oder erforderliche Reisen, persönlich geradesteht.
Um weitere Kreise auf die gute Sache aufmerksam zu machen, hatte man das herbstliche Benefizkonzert im Kirchheimer Schloss arrangiert. Die kolumbianische Botschafterln bei der Berliner Bundesregierung hatte es sich nicht nehmen lassen, ein persönliches Grußwort zu schicken, das Stritzelberger im Rahmen seiner Begrüßungsworte verlas.
Dann begann eine musikalische Reise kreuz und quer durch Europa, kreuz und quer durch sechs Jahrhunderte, in elf Sprachen gesungen und bestens intoniert mithilfe einer original Kirchheimer Stimmgabel. Charmant plaudernd und immer informativ führte Chorleiter Manfred Onnen, Sohn des einstigen Gründers Gerd Onnen, durch das ebenso anspruchsvolle wie abwechslungsreiche und geschickt mit Kontrasten spielende A-cappella-Programm.
“Vom Madrigal zur Moderne” war das Motto, und gerade die ,,echten” Madrigale, Chorsätze von Thomas Weelkes, Orlando di Lasso, Josquin Desprez und Jean-Philippe Rameau boten dem Chor Gelegenheit, seine Qualitäten ins allerbeste Licht zu  rücken. Perfekte Artikulation, eine weite dynamische Skala vom sanften piano (..Hymne A la nuir“) bis zum schmetternden, klangvollen forte (“Repülj fecskem” aus Ungarn) und absolute Sicherheit in allen Stimmen – vor allem um die bestens besetzten Tenöre und Bässe dürfte so mancher Chor die Stuttgarter beneiden. Manfred Onnen steuerte seine aufmerksam reagierenden Choristen ebenso versiert wie differenziert durch das kontrastreiche Programm. Stimmliche Glanzlichter setzten die Solisten Kirsten Henneberg, Catherine Onnen (mit bezauberndem Sopran), Verena Walz, Fritz Assn, Walter Grupp und Gert Leonhardt.
Herzlicher, langer Beifall – und vor der heftig erklatschten Zugabe (Thomas Morley’s mitreißendes “Sing we and chant it”, an diesem Abend durchaus programmatisch zu verstehen) ließ Dieter Stritzelberger es sich nicht nehmen, noch einmal Sinn und Zweck des Abends in den Mittelpunkt zu rücken: Hilfe für “Bildung gegen Armut”. Mit diesem gelungenen Konzertabend hat der Förderverein sicher manches neue Mitglied gewinnen können.