Ansteckende rythmische Freude

Teckbote – 16.10.2012

Onnen-Chor begeistert mit südamerikanischen Rythmen für Kinder aus Kolumbien

Kirchheim. Das Benefizkonzert zugunsten des Kirchheimer Förderveieins “Bildung gegen Armut in Kolumbien” stand wieder einmal im Zeichen des Onnen-Chors aus Stuttgart. Unter dem Motto “Ritmo Latinoamericano” brannte der Onnen-Chor im voll besetzten alten evangelischen Gemeindehaus ein stürmisches Feuerwerk von Rythmen und Gefühlen aus Lateinamerika und der Karibik ab.

Unter der Leitung von Manfred Onnen, der auch für sämtiche Chor- und Instrumentalarrangements verantwortlich zeichnet, entführte der vielsprachige Chor die Zuhörer in die faszinierende Welt der lateinamerikanischen Musik. Das von etwa 25 singenden Akteuren vorgetragene Konzert umfasste Lieder aus Mittel- und Südamerika sowie der Karibik. Die virtuosen Instrumentalisten samt Victor Mamani und Pablo Fiestas mit ihren Pan- und Holzflöten gaben dem bunten Melodienreigen die jeweils passenden oder gar zusätzliche Note im besten Wortsinn.

im gesamten Konzert überzeugte der sehr homogene Onnen-Chor durch seine präzisen Einsätze, seine Intonationssicherheit, seine ansteckende rythmische Freude und die stets glaubhaft eingestreuten melancholischen oder auch dramatischen Akzente.

Ausgangspunkt waren Lieder aus Brasilien, eine schnelle Samba und -Kontrast- ein Wiegenlied. Aus Peru gab es das berühmte “El condor pasa” sowie die berührende Darstellung eines alles mit sich reisenden “El rio”. Uruguay und Argentinien waren mit dem Tango “La Cumparsita” und dem Heimweh-Song “Cuando sali de Cuba” vertreten. “In den Wassern des Tolten” (Chile) musste eine junge Frau mit ansehen, wie ein Schlingel ihre Kleider am Ufer einfach mitnahm. Eine andere Schöne gibt im anschliessenden “Yo vendo unos ojos negros” ihre schwarzen Augen dem, der sie wirklich liebt. “La cucaracha”, die Kakerlake, war ein von Marihuana abhängiger mexikanischer Revolutionär. Vor der Pause eine fast schon swingende, neue Variante des alten Songs “John B. Sails” von den Bahamas. Den Beach Boys hatte dieses Lied als Grundlage zu ihrem “Sloop John B” gedient. Die Freiheitsliebe des kubanischen Dichters Jose Marti kommt in seinem “Guantanamera” zum Ausdruck. Eine Eigenkomposition von Manfred Onnen, “Una paloma inocente”, eine Habanera zu einem dominikanischen Text, und danach die lustige Geschichte von “Mary Ann” aus Jamaika leiteten den zweiten Teil des Abends ein. Das kreolische “Choucoune” aus Haiti, das mexikanische Morgenständchen mit Vogelgezwitscher und das auch im Deutschland der Fünfzigerjahre überaus beliebte “Melodie d’amour” sind Ohrwürmer und in der Onnen-Chor-Bearbeitung Kabinettstückchen zugleich. Zum Abschluss gab es zwei absolute Evergreens: “Cuando calienta el sol” aus Nicaragua, wobei die Saaltemperatur zu diesem Zeitpunkt locker tropischen Vergleichen standhalten konnte, und das mitreißende “La Bamba”.

Stürmischer Applaus, der bereits zur Pause die Begeisterung des Puplikums wiederspiegelte, war nur durch eine Zugabe einzudämmen. Die stimmliche Bandbreite, die technische Sicherheit und die Vielfalt der Timbres der eigenen Solisten des Onnen-Chors sind immer wieder bewundernswert. Manfred Onnen führte seine Sängerinnen und Sänger sowie die Musiker ohne zu große Gesten, jedoch immer eindeutig und motivierend. Außerdem moderierte er locker und, wo nötig, auch Hintergründe der Lieder ausleuchtend.

Der Förderverein unterstützt seit sieben Jahren 35 Kinder in Kolumbien. Der Verein bezahlt mit den Spenden die Schulgebühren, Schuluniformen, Schulbücher und Weiteres. Die Erste Vorsitzende, Gerti Schloz, erzählte, dass ihr alle Familien und Kinder und deren Schicksaale persönlich bekannt sind. Sie berichtete über die hohe Motivation der Schüler, und dass sie immer in Kontakt mit den Lehrern stehe. Weiter erzählte sie über die große Armut in diesem wunderschönen, aber politisch sehr problematischen Land. Ohne Schulbildung würden die Kinder dieser Armut nicht entkommen. Die erste Schülerin des Projektes habe im letzten Jahr die Schule abgeschlossen und besuche die staatliche Universität. Sie verwies auch auf die Homepage “www.bildung-gegen-armut.de” – dort sind alle Zahlen offengelegt. Gerti Schloz bat dringend um finanzielle Spenden, damit die Kinder bis zum Schulabschluss begleitet werden können.

Der gesponserte Sekt und auch die gespendeten Brezeln ließen die Euros in die Kasse purzeln. Allein die Barspenden an diesem Abend beliefen sich auf 2000 Euro, und viele der Gäste nahmen Überweisungsformulare mit nach Hause. So kann der Förderverein noch auf weitere Spenden hoffen.
gs