SDT5536 ManfredDer Leiter

Manfred Onnen, Sohn des Gründers Gerd Onnen, unser überaus kreativer Chorleiter. Seit der Übernahme des Chors 1977 arrangiert er das ständig weiter wachsende Folklore-Repertoire für Chor, Solisten und Orchester. Außerdem steuert er immer wieder eigene Kompositionen und aktuelle U-Musik-Bearbeitungen bei.

Da Mutter und Vater ihre Musikalität auf und mit Instrumenten auslebten, war es nahezu selbstverständlich, dass wir Kinder in die instrumentale Welt eingeführt wurden. Meine Schwester lernte Akkordeon, ich übte Klavier, was ich auch heute noch mache, denn ich will nicht behaupten, dass ich Klavier „spiele". Später sangen wir beide im Kinder-, dann im Jugendchor, den unser Vater leitete.

Der Umstieg in die Erwachsenenwelt, musikalisch gesehen, erfolgte bei mir direkt im Anschluss an den Stimmbruch, gerade mal 15 Jahre alt, im November 1961. Das war auch gleich der Beginn meiner Laufbahn im heutigen OnnenChor. Nach und nach wurden die Proben im Stuttgarter Osten neben der schulischen Anforderung zur gewohnten Montagabendbeschäftigung. Und trotzdem hätte ich zu diesem Zeitpunkt niemals an eine später so intensive musikalische Tätigkeit gedacht.

Mein weiterer Lebensweg führte mich nach dem Schulabschluss zum Studium nach Tübingen (damit ich möglichst montags in Stuttgart sein konnte . . . ), wo ich alles andere, nur nicht Musik studierte. Ich hatte immer das Beispiel meines Vaters vor mir, dieses begnadeten, enorm kreativen Musikers, der mit so wenig (finanzieller) Resonanz zurechtkommen musste – das änderte sich ja wirklich erst kurz vor seinem Tod. Ironie des Schicksals. Deshalb war für mich klar: die Musik bleibt mein, manchmal extensives Hobby. Zum Broterwerb muss etwas anderes herhalten.

Nun ja, das ist auch heute noch so. Aber, im Mai 1977, was konnte der Chor tun, wie sollte das denn weitergehen? Nachdem alle einverstanden waren, mir einen Vertrauensvorschuss zu geben (eine Alternative bot sich kurzfristig nicht wirklich an), hatte ich mir vorgenommen, mit dem vorhandenen Repertoirematerial die nächsten 5 – 10 Jahre über die Runden zu kommen. Meine Qualifikationen waren: Chorsänger und Sohn des bisherigen Leiters. Das war, gelinde gesagt, furchtbar wenig.

Aber solche Situationen zeigen auch, dass man an sich glauben und das unmöglich Scheinende zumindest versuchen muss. Zusammen mit den Genen und konsequentem Dranbleiben ist man dann sogar manchmal erfolgreich. Ich will nicht vergessen, dass mir das Ganze durch die Ermunterung, die immer wieder aus den Reihen der Chormitglieder kam, erleichtert wurde. Als Autodidakt unter konstruktiver Kritik der Ausführenden habe ich mich in die Geheimnisse von Chorleitung und Harmonielehre, später dann Komposition, Instrumentenkunde und Instrumentierung verbissen und lerne immer weiter hinzu.

Doch ohne Unterstützung und Tolerierung durch meine Familie (meine Frau Catherine musste gleich nach der Hochzeit im Chor mitsingen, ich behaupte: zum Glück!) wäre dies alles nicht möglich gewesen.

Der so gar nicht fassbare Verlust, den der Tod meines Vaters damals bedeutete, brachte eine Aufgabe für mich, ohne die ich mir mein Leben nicht mehr vorstellen kann: wie verquer und doch konsequent ist Familiengeschichte! (Manfred Onnen, aus „Unglaubliche 50 Jahre OnnenChor")