chronik gruender1Der Gründer

Mein Vater Gerd Onnen wurde am 1. September 1920 in Stuttgart geboren. Als Sohn eines Kunstmalers, den es aus dem ostfriesischen Leer in den Süden verschlagen hatte, wuchs er zwar behütet, aber nicht in Wohlstand auf.

In der 8. Gymnasialklasse war er der schulischen Lehre überdrüssig und begann mit Unterstützung seiner Eltern das Musikstudium in Stuttgart. Durch Semester in Berlin erweiterte er seinen Horizont studienmäßig und geographisch. Nach Abschluss seines Studiums in den Fächern Klavier, Komposition, Chor- und Orchesterleitung begann er seine Laufbahn als selbstständiger Musikpädagoge, unterrichtete Klavier, Kontrabass und Akkordeon. Daneben wurde ihm die Leitung der sogenannten Rundfunk-Spielschar übertragen, einer Einrichtung des in Stuttgart ansässigen Radiosenders. Junge Sängerinnen, Sänger, Musiker und Tänzer bildeten eine „Showtruppe", die ab 1942 neben Radioauftritten und öffentlichen Veranstaltungen natürlich auch zur Unterhaltung von Soldaten eingesetzt wurde. In dieser Rundfunk-Spielschar hat es auch tatsächlich mindestens einmal gefunkt, nämlich zwischen Liesel und Gerd, meinen späteren Eltern!

Gerd Onnen war als Sanitäter im unseligen Krieg eingesetzt. Sein musikalisches Ich ließ ihn auch dabei nicht ruhen. Er machte Musik mit Leidensgenossen an der Front und später in Gefangenschaft. So konnte er wohl schwere Momente durchstehen und doch gleichzeitig anderen eine Freude bereiten.

Während der Gefangenschaft hatte er sein Faible für die russischen Volkslieder entdeckt und vor Ort einiges Material sammeln können. Wie als gerechten gerechten Ausgleich kam er dann für ein paar Wochen noch in amerikanische „Händen" und lernte dort die Welt des Stephen Foster kennen. Damit war in dieser sonst tragischen Zeit der Grundstein für seinen Lebensinhalt gelegt worden.

Während eines Heimaturlaubs heiratete Gerd seine Luise (Liesel) und fand bei der glücklichen Rückkehr nach dem Krieg Tochter Sylvia vor, der ich bald folgte. Er übernahm die Leitung von Chören im Großraum Stuttgart, formte mit Mitgliedern der Rundfunk-Spielschar seinen Stuttgarter Madrigalchor und setzte die pädagogische Arbeit fort.

Dass er mit seinen Bearbeitungen oder Kompositionen in die Offensive gehen könnte, war nicht sein Ding. Er begnügte sich mit den „intimen" Erfolgen im Rahmen von Konzerten seiner Chöre, insbesondere seines Folklorechors, und der stets begeisterten Resonanz des Publikums. Eine Wende brachte die spätere Zusammenarbeit mit der engagierten Verlegerin Hilde Löffler aus Plochingen. Binnen weniger Jahre hatte sie den Großteil seines Schaffens veröffentlicht und somit eine Verbreitung ermöglicht, die den Namen Gerd Onnen zu einem Markenzeichen in der Chormusik gemacht hat.

Auch heute noch, mehr als dreißig Jahre nach seinem viel zu frühen Tod auf einer Urlaubs- und Informationsreise in Mexiko am 24. Mai 1977, fasziniert die Idee meines Vaters, ein besseres Verständnis füreinander zu ent-wickeln, gerade auch international, indem man über die Brücke der Musik geht. (Manfred Onnen, aus „Unglaubliche 50 Jahre OnnenChor")