Schorndorf KritikMit Molly Malone, Traum aller Fischer

Bejubeltes Benefizkonzert des OnnenChors zugunsten der Bürgerstiftung / Ein Fest Keltischer Folklore
Von Thomas Milz
Schorndorf.
Europa, das ist auch die Vielfalt seiner Sprachen und musikalischen Traditionen. Und trotz Brexit, es gehören neben Englisch auch so Exoten wie das Kymrische in Wales und das Gälische aus Irland dazu. Klänge, die beim Celtic Folksong Festival des OnnenChors ihre bewegenden Auftritte hatten und das Puplikum in der Künkelin-Halle beim Benefizkonzert zugunsten der Bürgerstiftung zu Bravos hinrissen.

"Canon lán" etwa, das ist das "edle Herz", ein 350 Jahre altes Lied, das die Waliser als ihre heimliche Nationalhymne betrachten und vom 30-köpfigen OnnenChor hingebeungsvoll gesungen wurde. Oder "Sospan Vach", das steht für "Soßenlöffel", ein ruppiger Nonsense-Song, den man, wie Chorleiter Manfred Onnen erzählte, aus tausenden Kehlen im Rugby-Stadion zu Cardiff zu hören bekommen kann. Und das mit allen klanglichen Nuancen.
Wales, das stand am Ausklang eines grandiosen Konzertes, in dem die gut aufgelegten Sängerinnen und Sänger des OnnenChors ihr Puplikum auf eine musikalischachäologische Reise durch die schottische, irische, englische und walisische Folklore mitnehmen.
Zum Auftakt ein dudelsackgetöntes „Scotland the Brave“, wiederum eine dieser „heimlichen“ Nationalhymnen, diesmal der „tapferen“ Schotten also, die beim englischen „Schotten dicht“ gegenüber Europa gerade nicht mitmachen wollen. Selbstbewusst preisen sie dagegen ihre Naturschönheiten in „The bonnie Bank of Loch Lomond“, dessen schwebender Gesang einem wie der Frühnebel über dem See Vorkommen mochte. 
Vom Dissens, sprich Krieg mit dem mächtigen Nachbarn, erzählt auch das schwermütige Traditional „Wi’a Hundred Pipers“. Eine Ballade von der Heimkehr der geschlagenen Soldaten, ergreifend im Duett gesungen, begleitet vom Klagen des Chors. Ergreifend und mit Jubel quittiert auch das „Fhir a bhäta“ aus den Hebriden, ein verzehrendes Liebeslied einer Frau über ihren Freund, einen verschwundenen Fischer.
In „Sally Gardens“ die Liebe zu einer reizenden Maid schnöde versemmelt
Aus Irland, genauer aus „Dublins fair City, where the girls are pretty“, stammt die Fischverkäuferin Molly Malone, der Traum aller Fischer, der mit „Cockles and Musseis“ ein hübsches satirisches Lied im Dreivierteltakt gewidmet war. Bei „Sally Gardens“ indes durften die Männer des Chors mal nicht mitsingen, aus Strafe darüber, dass in diesem Lied ein Schnösel durch zu langes Säumen die Liebe zu einer reizenden Maid gar schnöde versemmelt hat. Und was wäre ein Ausflug nach Irland ohne den „Whiskey in the Jar“, einem fröhlichen, kleinen Ganoven-Song?
Und schließlich England, dessen Erkundung ausgerechnet mit einem Wiegenlied begann: „Golden Slumbers (will kiss your eyes)“ eröffnet wurde. Mit dem Klassiker „My Bonnie is over the Ocean“ - und wer hat das nicht im ersten Jahr seines Englischunterrichts hingebungsvoll gesungen? - gab es den eingängigen akkordeonbegleiteten Shanty, nicht weniger bekannt als das durch Simon & Garfunkel weltberühmt gemachte “Scarborough Fair“, vom OnnenChor in einem großartigen Stimmgeflecht mit gleich mehreren Solisten mit betörender Schönheit vorgetragen. Wie überhaupt immer wieder die ganz herausragenden Solisten des Chors das Publikum zu Jubel hinrissen!
Einen Ausblick auf das nächste Programm dieses Chors gab als gefeierte Zugabe ein Ausflug in die vielfältige afrikanische Liedfolklore.

Bürgerstiftung
■ „Stets transparent und unbürokratisch“, so warb beim Benefiz-Konzert Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich, der zugleich Vorsitzender der Bürgerstiftung ist, für die Unterstützung der Arbeit der Stiftung, „die viele Projekte im Bereich Bildung, Familie, Heimatpflege, Kunst, Umweltschutz, Völkerverständigung und Integration“fördere.